Mittwoch, 22. September 2010

Dienstag, 24. August 2010

„Gott gab den Europäern die Uhr und Afrika die Zeit“

In den folgenden Blogeinträgen möchte ich mal gerne mehr auf typisch südafrikanische Dinge eingehen und wohl ein paar Klischees bestätigen, aber auch einiges neues berichten.

Beginnen werde ich wohl mit einer eher sehr allgemeinen afrikanischen „Eigenheit“, nämlich dem dann doch etwas anderem Verständnis von Zeit. Dazu habe ich ja auch schon ein typisches afrikanisches Sprichwort als Überschrift ausgesucht. Das andere Zeitverständnis macht sich schon direkt in der Sprache bemerkbar. Wenn man hier nämlich jemanden sagen hört dass er etwas „now“ machen wird, („now“ ist das englische Wort für „Jetzt “), bedeutet das noch lange nicht dass es jetzt geschehen wird. „«now, now» ist schneller als «now», während «just now» schon nahe Zukunft ist. Verspricht ein Südafrikaner also einen Rückruf «now», so kann das eine gute Stunde in Anspruch nehmen. «Just now» wäre immerhin die Hälfte dieser Zeitspanne, während «now, now» diesen Zeitraum erneut halbiert. Umgehende Handlung dagegen ist garantiert, wenn der Rückruf mit «right now» angekündigt wird.“ (Quelle: Ostsee-Zeitung.de, Südafrika ABC: J wie Just now)
Zum Thema Zeit gibt es auch noch einen etwas humorvolleren Spruch, der mit dem Spitznamen Cape Town spielt. „Why is Cape Town also called the „Mother City“? Because it takes nine months to get anything done. Ein anderer Spitzname für Cape Town isttt „Slaapst“, es heißt soviel wie Schlafstadt, und ist vom Afrikaans Wort für Kapstadt („Kaapstad“) abgeleitet, denn „slaap“ heißt schlafen, im Gegensatz zu Johannesburg, ist Kapstadt nämlich sehr langsam und eher etwas fauler. Dazu kann ich auch direkt ein Beispiel nennen, nämlich Reuben, unser Hausmeister in der Schule. Wenn er morgens ankommt, geht er erstmal gemütlich in den „Staffroom“ und macht sich einen Kaffee. Nachdem er diesen in Ruhe aus getrunken hat, macht er sich auf den Weg zu seinem Werkräumchen.Dort holt er sich dann z.B. einen Hammer und einen Nagel um ein Regal festzunageln. Beim Regal angekommen stellt er dann fest, dass es der falsche Nagel war und läuft dann gemächlich zurück zu seinem Werkraum um EINEN weiteren Nagel zu holen, um dann vielleicht ein weiteres mal zurück laufen zu müssen weil der Nagel immer noch der Falsche war.

Das war jetzt mal so ein kleiner Einblick zum Thema Zeitverständnis in Kapstadt.

Sonntag, 18. Juli 2010

Feel it. It is here. (*)

Ihr fragt Euch jetzt vielleicht was ihr denn fühlen sollt, und was hier sein soll. Die Antwort ist einfach, wenn man an die letzten vier Wochen denkt. Es ist natürlich die Weltmeisterschaft und der damit verbundene Fußballvibe gemeint und ich muss sagen ich konnte es fühlen, es war hier.
Auch wenn viele Leute sich jetzt freuen, dass die WM endlich um ist, ich finde es sehr schade, denn ich habe die letzten vier Wochen sehr genossen. Nicht nur das ich Ferien hatte, die Stimmung hier in Cape Town war einfach sehr schön und mitreißend. Ich hatte den Eindruck ganz Cape Town wurde vom Fußballfieber gepackt. Am besten waren natürlich die Tage an denen Spiele im Greenpoint Stadium stattfanden, dann hat die Innenstadt und vor allem die Waterfront "gebebt". So ziemlich jeder Kapstaedter den man waehrend den Spielen in der Stadt gesehenhatte, hatte ein Bafana Bafana Trikots, so dass die halbe Stadt gelb war. Ausnahmen waren die Englandspiele, halb Cape Town schien England zu unterstützen. Logischerweise waren die ganzen vier Wochen über die Vuvuzelas nicht zu überhören, und solange sie mir nicht direkt ins Ohr geblasen wurden, hatte ich mich auch schnell an den Sound gewöhnt, und vermisse ihn schon ein bißchen :-P
Jedenfalls habe ich die Weltmeisterschaft sehr genossen und ich würde sagen Südafrika war ein guter Gastgeber, so dass wohl auch die vielen Touristen ihre Zeit hier genossen haben. Und gegen alle Vorwarnung aus Europa war Südafrika ein sicheres Land, es gab weder große Ausschreitungen und Anschläge, noch viel Gewalt und Kriminalität. In meinen Augen war es die richtige Entscheidung der FIFA die WM nach Südafrika zu bringen. Und so wie es ausschaut hat die WM auch viele urpsrüngliche Gegner überzeugt und viele die nie vorher Fußball geschaut haben, haben sich so viele Spiele wie möglich angeschaut. Man konnte sehen, dass Südafrika und seine Bevölkerung mehr zusammen gewachsen ist. Man hat zusammen gefeiert, getanzt, geweint und gelacht, und das egal welche Hautfarbe oder welche Sprache man sprach, und auch wenn Südafrika früh raus geflogen ist, Südafrika ist stolz auf ihre „Bafana“ (Jungs). Viele hoffen jetzt das etwas von diesem vier unglaublichen Wochen hängen bleibt. Denn „It was Ayoba!“ (Es war wundervoll, genial, toll).

Zum Abschluss einfach nur der Slogan zum Worldcup 2010 “Ke Nako. Celebrate Africa's Humanity“

*(Der Satz war übrigens der Slogan von den staatlichen Fernsehsendern Südafrikas)

Dienstag, 29. Juni 2010

Impressionen


SILVERMINE
Blick über die southern Suburbs von Kapstadt
Protea



ST. JOHNS FESTIVAL
Puppetshow mit allen Lehrern der Schule
Staceys Puppet
"Mein" Hintergrund
St. Johns Feuer


World Cup 2010
Südafrika - Mexico @ Banana Jam Trenchtown
Meine Vuvuzela (@ Hyundai Fanpark)
Dean und ich @ Paulaner Biergarten, Cape Town
(Germany - Serbien)
Paulaner Biergarten
Algerien Fans nehmen Waterfront ein

Sonntag, 13. Juni 2010

Olé, olé, olé!

Olé, olé, olé!
Seit Freitag ist nun die WM voll im Gange und von mir gibt es mal wieder nach langer Zeit einen neun Eintrag. Diesmal werde ich wohl mit der Weltmeisterschaft anfangen, denn dieses wichtige kommende Event kann man hier inzwischen nicht mehr ignorieren. Aber ich werde natürlich auch noch über anderes berichten, denn in den letzten Monaten ist sehr viel passiert. Meine Familie war zu Besuch, ich bin umgezogen, mein Arbeitsfeld in der Schule hat sich geändert und hier ist es nun Winter.

Weltmeisterschaft
So nun aber erst mal ein paar Dinge zu dem Fußballereignis des Jahres. Wie schon oben erwähnt und wie wohl jeder weiß, steht die Weltmeisterschaft vor der Tür und das kann man hier weder überhören noch übersehen. In jeder Fernsehsendung  wird der Worldcup erwähnt, egal ob nun Nachrichten oderTalkshow, die WM ist Topthema Nummer Eins. Aber nicht nur in den Medien ist die WM Dauerthema, überall sieht man jetzt Menschen mit Fußballtrikots herumlaufen, die Autos sind geschmückt mit Flaggen, und in so ziemlich jeden Geschäft gibt es Souvenirs, Kleidung, Accessoires, etc. mit Länderflaggen oder dem WM Maskottchen zu kaufen. In diesem Meer aus Flaggen ist es vor allem die Südafrikanische Flagge, die einem ins Auge springt. Aber ich sehe natürlich auch europäische Flaggen an Autos und Häusern, und davon gibt es ebenfalls sehr viele.  Das zeigt wieder einmal  wie stark europäisch Kapstadt geprägt ist. Aber man hört nicht nur überall alle über die WM reden, man hört auch dauernd Vuvuzelas (http://de.wikipedia.org/wiki/Vuvuzela), das Symbol des südafrikanischen Fußballs. Es wurde sogar eine riesige Vuvuzela neben den Highway der nach Kapstadt führt aufgestellt und diese soll bei jedem Tor "geblasen" werden.
Also man merkt, Kapstadt ist bereit für die WM und die Mehrheit ist gespannt und voller Enthusiasmus. (Klar, gibt es auch Leute die dem "WM Hype" entfliehen wollen und die Ferien nutzen aus Kapstadt zu "verschwinden", denn die komplette Zeit während des Worldcups sind Ferien)
Und auch die Kids in der Schule sind voller Spannung, es gab die letzten Wochen auch immer wieder Fußballspiele und Turniere an denen "meine" Schule meist sehr erfolgreich teilgenommen hat.
Und falls ihr Euch jetzt fragt, ob ich als eingefleischte 05erin, mir wohl auch ein WM Spiel anschauen werde, so muss ich mich und Euch enttäuschen. Es wird wohl nicht klappen. Ich war einfach zu spät dran mit dem organisieren von Tickets und jetzt gibt es für Kapstadt keine Karten mehr, die ich mir leisten könnte. Aber vielleicht habe ich ja noch Glück und komme doch noch irgendwie an eine Karte. Aber ansonsten werde ich mir wohl ein paar Spiele auf einer großen Leinwand anschauen, es wird wohl ein paar Public Viewing Plätze geben. Was meine sonstigen Pläne für die Ferien angeht, kann ich leider auch noch nicht so viel sagen. Ich werde wohl ein paar Ausflüge machen und eventuell für eine Woche nach Namibia fahren, aber ansonsten ist noch nichts geplant. Aber da ich nun endlich ein Auto habe, werde ich definitiv nicht zu Hause alleine feststecken.

Winter
Der Winter ist in Südafrika zur Zeit so ähnlich wie das Wetter in Deutschland: sehr wechselhaft, von 10°C bis zu 28°C, von Sonne über wolkig bis hin zu stürmisch und richtig regnerisch. Oft hält das Wetter für ein paar Tage an und regnen kann es auch mal eine Woche am Stück, jedoch ist das Wetter meistens am Wochenende schön. Was den Winter hier etwas unangenehm macht ist der Fakt, dass die Häuser hier sehr schlecht bis gar nicht isoliert sind und Zentralheizung ist hier auch eher selten vorzufinden, was dazu führt, dass ich auch im Haus in dicker Fleecejacke rumlaufe und mich mit Tee versuche warm zu halten.

Arbeit in der Schule
Nach den Sommerferien - Ende Januar - begann ein neues Schuljahr und ich hatte dann endlich auch einen eigenen Stundenplan. Seit Anfang dieses Jahres sind meine Arbeit und meine Arbeitszeit dadurch viel strukturierter. Aber das ist nicht das Einzige was sich geändert hat. Inzwischen werde ich auch stärker im Kindergarten eingesetzt. Ich verbringe die ersten 3-4 Stunden des Vormittages im Kindergarten. Dort beschäftige ich mich mit den Kindern, die besondere Aufmerksamkeit brauchen, aber ich mache auch mit den anderen Kindern Crafts, schnippel mal Obst, mache Tee oder habe ein Auge auf diejenigen, die draußen auf den Klettergerüsten spielen. Dort im Kindergarten spüre ich mehr als in der Schule, dass mein Dienst eine wirkliche Unterstützung und Hilfe ist, dass ich wirklich gebraucht werde. Und wenn ich doch einmal nicht so viel zu tun habe, stelle ich nebenbei kleine Filzfiguren für die Jahreszeitentische der verschiedenen Kindergartengruppen her. Am späten Vormittag gehe ich dann rüber in den Unterricht, wo ich bei den Kunst- und Craftstunden mitarbeite. 

Umzug
Seit dem neuen Schuljahr ist Nomvu eine Xhosa- Lehrerin an der Schule angestellt. Sie hat kurz vor Ostern eine Wohnung gefunden, die sie mieten kann und die näher an der Schule liegt als ihre bisherige Unterkunft. Da sie noch eine Mitbewohnerin suchte und meine Wohnsituation immer schwieriger wurde, habe ich das Angebot angenommen, mit dieser Xhosa-Lehrerin und ihrer 18-jährigen Tochter (Iphendule) zusammen zu ziehen. Unsere Mini-WG klappt recht gut und da Nomvu eine echte Xhosa-Frau ist, lerne ich durch sie wieder andere kulturelle Eigenheiten kennen. Das Zusammenleben mit ihr ist ganz anders als meine Wohnerfahrungen mit dem anderen Freiwilligen. Es ist ein bisschen mehr wie ein Familienleben. Nomvu schaut nach uns beiden und das alles im Haushalt klappt, aber trotzdem habe ich weiterhin meine Freiheiten und fühle mich nicht bemuttert und Iphendule ist fast wie eine Schwester. Ich bin echt sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe mit diesen beiden Frauen zusammen zu ziehen.


Meine Familie
Wie schon oben erwähnt war meine Familie hier bei mir zu Besuch und das für ganze drei Wochen über Ostern, was eine super schöne Zeit war. Ich habe es sehr genossen endlich mal wieder meine Familie zu sehen und ihnen etwas von meiner zweiten Heimat zu zeigen. So waren wir in der ersten Woche in Fish Hoek in einem sehr schönen Gästehaus. Hier hatte ich die Gelegenheit meinen Eltern die Schule zu zeigen, aber auch Sehenswürdigkeiten in der Umgebung, wie Boulders Beach (der Strand, wo die Pinguine leben), Chapmans Peak Drive (eine wunderschöne und malerische Küstenstraße direkt zwischen Meer und steilen Felswänden), Cape Point (Zusammentreffen beider Ozeane und südlichster Punkt Südafrikas) und vieles mehr. Nach dieser Woche ging's dann weiter mit dem Erkunden und Erleben der Garden Route. Dieser Teil Südafrikas gehört in meinem Augen mit zu den schönsten, natürlich verglichen mit den Teilen, die ich schon gesehen habe. Unsere Unterkünfte waren in Oudtshoorn (Straußenvogel Hochburg), Tsitsikamma (National Park mit Urwald, Hängebrücke, und vielem mehr), dann ging es weiter zum Höhepunkt unserer "Rundreise",  ein "Old School" Safari Camp in einem Game Reserve. Darüber würde ich euch eigentlich gerne mehr schreiben, aber das würde einfach zu viel werden, deswegen einfach nur: Das Beobachten von Tieren in "freier Wildbahn" war unglaublich faszinierend und die Tiere verhalten sich so anders als man es aus dem Zoo kennt.
Danach ging es dann wieder zurück Richtung Kapstadt über Knsysna, eine sehr schöne Stadt gelegen an einer Lagune die nur durch eine schmale "Einfahrt" (Knysna Heads) zum indischen Ozean verbunden ist. Die letzten Tage haben wir dann in der Innenstadt in einem sehr schöne Gästehaus am Fuße des Tafelbergs verbracht. Von hier aus haben wir dann eher das Zentrum erkundet, wie die Long Street, den Tafelberg, die Waterfront und den Botanical Garden.
Leider hieß es dann auch wieder viel zu schnell Abschied nehmen.
  
Sien vir julle (Tschüss auf Afrikaans) und drückt bitte alle  „unseren  Bafanas, Bafanas" und „Jogis Jungs" die Daumen

Freitag, 21. Mai 2010

Neues Fotos online!


Hier nochmal zwei Links zu zwei neuen Fotoalben:


Donnerstag, 18. März 2010

Mein Arbeitsplatz, meine Aufgabenbereiche, mein Stundenplan



Endlich, endlich komme ich mal dazu etwas genauer auf all dies einzugehen. Ich weiß, nachdem ich jetzt schon fast 6 Monate hier bin, ist es schon längst überfällig...

Ich will mal der Beschreibung des Schulgeländes und meinem ersten Eindruck anfangen. Um zur Schule zu gelangen musste ich erst einmal auf ein sehr altes, aber immer noch benutztes, Farmgelände. Dabei kam ich zunächst an ein paar Pferden und Ziegen vorbei. Wie sich sehr schnell zeigte, sind das nicht die einzigen Tiere die einem begegnen, auf dem Gelände sind u.a. auch mehrere Pfaue zu Hause.
Jedenfalls gelangte ich schließlich über einen Schotterweg zur Schule und sah dann Folgendes: einzelne hölzerne Klassenräume ohne Strom, viele Bäume, Büsche und sonstige Pflanzen, keine gepflasterten Wege. Hinter der Schule schließt sich dann ein Pinienwald an.







Und ja ihr habt richtig gelesen, es gibt keinen Strom, aber zum Glück fließendes Wasser und einen Gaskocher, so dass ich jeden Morgen in den Genuss eines Kaffees komme (sehr wichtig!). :-)
Womit ich schon mal einen guten Übergang zu meinem Tagesablauf habe. Also wie gesagt mein Arbeitstag fängt meistens mit einem Kaffee und einem kurzen Wortwechsel mit verschiedenen Lehrern an, danach ging es in den ersten Wochen dieses Terms (Ein Term ist die Zeit zwischen den Ferien) immer in die 5.Klasse, mit denen ich deren Rhythmischen Teil (für nicht Waldorfler: In Waldorfschulen wird jeden Morgen, ein Morgenspruch gesprochen, manchmal ein paar Lieder gesungen oder aber ein Gedicht gelernt/aufgesagt, Sprachübungen gemacht oder ähnliches) gemacht habe. Ich habe aber nicht nur mitgemacht sondern auch den Morgenspruch mit denen auf Deutsch eingeübt. Danach habe ich mich dann um einige einzelne Kinder gekümmert und mit denen lesen, rechnen oder schreiben geübt. Die Voraussetzungen der Kinder sind innerhalb der einzelnen Klassen sehr unterschiedlich, daher bin ich eine große Hilfe in dem Bereich.



Sehr schnell ist es auch schon 10 Uhr und große Pause. Anschließend bin ich dann in verschiedenen Klassen (1. bis 6.) in deren Art und Craft Unterrichtsstunden und in der 3. und 4.Klasse in Mathe. Aber auch immer wieder Einzelförderung. Falls ihr Euch jetzt fragt, was ich genau bei der Einzelförderung mache, in Mathe z.B. muss ich mir selber Aufgaben ausdenken und die dann mit den Kids ausrechnen bzw. ihnen nochmal die Regeln erklären und dann die Ergebnisse korrigieren und immer wieder erklären warum eine Antwort falsch war.
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt ist die Einzelförderung (vor allem in Mathe) teilweise echt nicht einfach, aber auf der anderen Seite macht es Spaß, vor allem wenn ich sehe dass ich wirklich helfe und die Kinder Fortschritte machen.


In den letzten Wochen war ich dann morgens im Kindergarten, um dort aus zu helfen, was eine schöne Abwechslung in meinem Arbeitsleben mit sich bringt. Dort schaue ich dann auch eher nach den schwierigeren Kindern, mache mit den Kindern Crafts, schnippel Obst, mache Tee oder habe ein Auge auf diejenigen die draußen auf den Klettergerüsten spielen. Zwischen 10 und 11 Uhr bin ich dann immer zur die Schule gewechselt.



Wie ihr seht, bin ich zum Glück inzwischen meistens ganz gut beschäftigt und zunehmend mehr gefordert und wenn ich mal nichts zu tun habe, male ich Tafelbilder oder „Gemälde“ für die Klassenzimmer. Ich hoffe sehr, dass ich bald auch ab und zu in Masi (Township) arbeiten kann, um somit auch das Leben der Menschen dort und die arme Seite von Südafrika intensiver kennen lernen zu können.
Zur Zeit bringe ich aber schon zumindest Mittwoch nachmittags frisches Gemüse, welches Familien der Imhoff School jeden Dienstag mitbringen, nach Siyakuhle. Siyakuhle ist eine Waldorfkindergarten und Spielgruppe und in Masi und wurde u.a. von der Imhoff School initiiert und wird mit unterstützt. Mittwoch morgens kann ich kaum abwarten um die Kinder wieder zu sehen. Es ist jedes Mal ein sehr intensives Erlebnis, denn wenn mit Stacey, einer Lehrerin der Schule und Freundin, das Gelände betrete, kommen die Kinder immer alle an, haben ein breites Grinsen im Gesicht und wollen auf den Arm genommen werden. Manchmal habe ich zwei Kinder auf dem Arm und jeweils eins an jedem Bein hängen.

Nun, aber wieder zurück zur Imhoff School und deren Ziele. Die Imhoff School ist wie erwähnt eine Waldorfschule und einer der vier Waldorfschulen in Cape Town.
Die Schule hat sich zum Ziel erklärt die verschiedenen Kulturen der Farbigen, Weißen und Schwarzen miteinander zu verbinden, die Unterschiede anzuerkennen aber auch das Gemeinsame zu leben. Es ist erklärtes Ziel, es immer mehr Kindern aus den umliegenden Townships eine Besuch dieser Schule zu ermöglichen. Dies ist nur mit großem finanziellen Engagement und ehrenamtlichen Einsatz vieler Eltern und LehrerInnen möglich. Und die Schule ist noch weit entfernt von ihrem Ziel einer wirklich paritätisch gemischten Schule.zu sein. Aber die Schulgemeinschaft arbeitet dran.
Ein erster Schritt ist die Mitinitiierung und Unterstützung von Siyakuhle. Hier könnte langfristig eine guter Kontakt entstehen, auf dessen Grundlage noch mehr Townshipkinder Zugang zur Waldorfschule bekommen.
Die Initiative der Patenschaften ist ein weiterer Weg einzelne Kinder an der Schule aufzunehmen, deren Familien es sich sonst nicht leisten könnten, ihr Kind an dies Schule zu schicken. So haben einige Kinder fest Paten, die deren Schulgebühren übernehmen, jedoch werden noch viele weitere Paten gebraucht...

So, ich denke das war es erstmal so im Groben. Falls ihr noch Fragen zur Schule oder sonst etwas habt, könnt ihr die mir natürlich gerne stellen.

Ja, ihr lest richtig, es gibt wieder einen Eintrag von mir




Ich weiß ist schon ein Weilchen her, dass ich was geschrieben habe. Aber meine Leben war etwas chaotisch in letzter Zeit und es ist ziemlich viel passiert. Weshalb ich auch gar nicht genau weiß wo ich anfangen soll zu erzählen.
Über meine Arbeit schreibe ich jedenfalls im nächsten Eintrag, jetzt werde ich erstmal von meinem Leben außerhalb der Schule erzählen.
Wie schon oben erwähnt ist ziemlich viel passiert und ich habe emotional viel durchgemacht. Nach meinen Road Trip habe ich langsam angefangen Heimweh zu bekommen, ich kannte immer noch nicht viele Leute, hatte immer noch keinen Transport (sprich Auto oder Roller) und es gab immer öfters Schwierigkeiten zwischen meinem Mitbewohner und mir. Das alles hat dazu geführt, dass ich einfach nur noch bei meiner Familie und meinen Freunden sein wollte und immer wieder krank wurde.
Glücklicherweise habe ich dann in letzter Zeit immer mehr Leute kennen gelernt und inzwischen einige gute Freunde gefunden, dadurch habe ich natürlich viel mehr unternommen und steckte nicht mehr so viel zu Hause fest. Zudem rückte das Datum, wo meine Familie mich besuchen kommt immer näher (jetzt sind es nur noch 3 Tage :-) ).

Freizeit
Dies führte dazu, dass es mir auch langsam wieder besser ging, auch wenn meine Wohnsituation immer noch nicht einfach war, weswegen ich an den Wochenenden so gut wie die ganze Zeit weg war. Falls ihr Euch fragt was ich so alles unternommen habe, dann kann ich euch hier mal ein paar Beispiele aufzählen:

- ich bin den    Lions Head hochgewandert (atemberaubende Aussicht auf den Tafelberg, Robben Island, Sea Point und Cape Town)


- war am Llandudno Beach (einer der schönsten Strände Cape Towns)


- camping in den Cederbergen (wunderschöne Gegend. leider konnte kein Foto die Stimmung aufnehmen)


- auf dem RAMFEST (ein Musik Festival mit südafrikanischer alternativer (rock/metal/punk/etc) Musik)


- meiner ersten Tranceparty


- habe mir den Botanical Garden angeschaut


- mehrmals im Kino (u.a. in Invictus, sehr empfehlenswerter Film und wohl auch sehr authentisch)

- habe viel im Auto gesessen

- habe eine private Township Tour mit Alicia (einer Freundin von mir) gemacht. Von der ich nun kurz berichten will.


Nachmittag im Township
Alicia hat eine Bekannte, die im Township lebt und die hatte ihr angeboten für uns typisches Township essen zu kochen und uns dann etwas herum zu führen. Sie war jedoch nicht alleine, sondern hatte noch 3 Freundinnen dabei.
Zu Essen gab es Pap (Maisbrei) mit drei verschiedenen Fleischsorten, die sehr lecker gewürzt waren. Anschließend sind wir dann durch Masi gelaufen und haben uns ein wenig umgeschaut und ein Township-Pub aufgesucht. Was alles sehr interessant, spannend und irgendwie auch komisch war. Ich hatte jetzt kein Angst oder so, aber es ist schon ein komisches Gefühl wenn jeder einen anschaut (wir waren 2 Weiße, 2 Farbige und 2 Schwarze) und man weiß das viele Leute die man sieht sich gerade über Wasser halten können und man selber ein tolles Leben hat.


Wohnsituation, Besuch meiner Familie
Nun aber zurück zu meiner Wohnsituation, die hat sich nämlich letzte Woche erst einmal geändert, ich wohne nämlich nicht mehr in Fish Hoek. Ihr wollt sicher wissen warum ich ausgezogen bin, dazu sage ich nur soviel mein Mitbewohner und ich sind einfach zu verschieden und Menschen lassen sich nun mal nicht ändern, und jemanden zusammen zu leben ist eh nie einfach.
Seit letztem Donnerstag wohne ich jetzt bei Stacey und ihrem Freund auf der Couch in Glencairn, einer der Nachbarorte von Fish Hoek, und das solange bis ich eine andere Unterkunft gefunden habe. Und es sieht auch gar nicht so schlecht aus, dass dies bald passieren könnte. Aber am Sonntag kommt eh erstmal meine Familie für drei Wochen und in dieser Zeit werde ich mit denen zusammen wohnen. Ahh, ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass ich meine Eltern und meinen Bruder endlich alle wieder sehen kann, werde jedes Mal total aufgeregt und nervös wenn ich daran denke.
Und mit diesen schönen Aussichten endet dann auch mein Eintrag.

Montag, 1. Februar 2010

Road Trip
Nun will ich aber noch einmal auf meine Reise zurückkommen.Dies ist aber nur eine Kurzfassung, werde wahrscheinlich bald noch eine ausführlichere Version schreiben.

Also wie ich im Eintrag davor schon erwähnt habe, hat unser Trip am 25.Dezember begonnen. Zunächst ging es Richtung Norden nach Namibia, aber nicht an einem Tag, sondern mit zwei Übernachtungen zwischen drin. Richtung Namibia wurde es dann auch immer heißer und trockener.


In Namibia haben wir dann einen 4-tägigen Kanutrip auf dem Orange River gemacht und viele nette Leute kennen gelernt. Den letzten Abend haben wir mit 350 anderen Leuten im Base Camp, und mit einem DJ und Feuerwerk Neujahr gefeiert. 


Danach haben wir uns auf den Weg nach Johannesburg gemacht, aber wieder mit zwei Tagen Zwischenzeit. Während der Fahrt sind wir immer wieder auf den Orange River getroffen, das war sehr interessant, denn eigentlich war auch dort die Gegend Halbwüste, aber im Flusstal wurde es dann ganz grün und wir konnten viele Weinfarmen sehen. Das Nord-Kap, also die Provinz durch welche wir die ersten Tage (bis kurz vor Johannesburg) gefahren sind ist die größte aber auch die am dünnsten besiedelte Provinz. So sind wir oft lange Strecken kaum Autos begegnet. Die Straßen gehen über hunderte Kilometer einfach geradeaus und sind nur etwas hügelig.

 

 
 

In Johannesburg waren wir dann 4 Tage und haben beim Bruder unseres Gastvaters und seiner Familie gewohnt. Johannesburg war dann völlig anders als alles andere vorher. Johannesburg ist eine der Hauptstädte von Südafrika und eine typische Großstadt. Es ist sehr hektisch, es gibt viele Hochhäuser und viel Kriminalität. Letzteres spielt eine besonders große Rolle in Jo'burg, es gehört zu den gefährlichsten Städten der Welt. Eine Zeitlang gab es sogar mehr Morde als Verkehrstote, das hat sich wohl etwas verbessert, denn seit 2002 sind die Sicherheits -maßnahmen um ein vielfaches erhöht worden, doch immer noch sollte man überall mit dem Auto hinfahren und nirgendwo „einfach herum laufen“. Auch die Sicherheitsmaßnahmen an den Parkplätzen sind sehr hoch, so wird jedes Mal die Autonummer aufgeschrieben, man bekommt einen Zettel in die Hand (den man am Schluss wieder abgeben muss) und muss etwas unterschreiben und beim Wegfahren das ganze rückgängig.



Von Johannesburg aus ging es dann weiter über Kroonstad (zwei Übernachtungen) und Bloemfontein (auch zwei Übernachtungen) nach East London (auch zwei Übernachtungen), womit wir dann endlich wieder an der Küste waren. Ich hatte schon angefangen das Meer zu vermissen. 

Bloemfontein und Kroonstad sind beide sehr burisch (Buren: Als Buren (Afrikaner, Afrikaaner, Afrikaander, Kapholländer oder Weißafrikaner) werden etwa seit Ende des 18. Jahrhunderts die größtenteils Afrikaans sprechenden europäischen Einwohner Südafrikas und Namibias bezeichnet. Quelle: wikipedia) geprägt und die Leute sehr gastfreundlich. In beiden Unterkünften hatten wir sehr nette hilfsbereite und zuvorkommende „Hausherren“.
Hier auch mal kurz etwas zum Stadtbild einer typischen südafrikanischen Stadt. In der Innenstadt sieht man fast nur Farbige oder Schwarze herum laufen und die meisten Häuser sind entweder nicht fertig gebaut oder etwas heruntergekommen. Meistens gibt es dann noch ein reiches, weißes Viertel, mit vielen schönen viktorianisch und niederländisch geprägten Häusern, ein Coloured Viertel (Coloured Viertel bestehen meistens aus einfachen und sehr bunten Steinhäusern) und dann gibt es noch die Townships, in den die meisten Schwarzen wohnen, und diese Stadtteile bestehen meist aus Wellblechhäusern oder auch einfachen Steinhäusern. Die meisten Orte/Städte haben bis auf ein paar Kirchen, vielleicht einer alten Community Hall/einem Post Office architektonisch wenig zu bieten, Fast überall gibt es auch reichere Viertel, wo es viele schöne Gebäude gibt.



Nun aber zurück zum Road Trip.
Von East London sind wir dann nach Port Elizabeth aufgebrochen. Dort haben wir uns den Addo Elephant National Park angeschaut, was sehr interessant war und wir konnten alles Mögliche Game (Wild) sehen, wie z.B. Elefanten, Kudus, Wildschweine, Schildkröten, Büffel..

 
 

Von P.E. ging unsere Reise dann über die Garden Route zurück nach Cape Town, wieder mit zwei Übernachtungen zwischen drin. Die Garden Route ist wirklich ein Traum und ich freue mich jetzt schon auf den Urlaub mit meiner Familie über Ostern, denn da werden wir die Garden Route intensiver erkunden.


So das war jetzt mal ein sehr langer Bericht und eigentlich könnte ich noch viel mehr schreiben, aber ich denke das ist erst einmal genug.