Endlich, endlich komme ich mal dazu etwas genauer auf all dies einzugehen. Ich weiß, nachdem ich jetzt schon fast 6 Monate hier bin, ist es schon längst überfällig...
Ich will mal der Beschreibung des Schulgeländes und meinem ersten Eindruck anfangen. Um zur Schule zu gelangen musste ich erst einmal auf ein sehr altes, aber immer noch benutztes, Farmgelände. Dabei kam ich zunächst an ein paar Pferden und Ziegen vorbei. Wie sich sehr schnell zeigte, sind das nicht die einzigen Tiere die einem begegnen, auf dem Gelände sind u.a. auch mehrere Pfaue zu Hause.
Jedenfalls gelangte ich schließlich über einen Schotterweg zur Schule und sah dann Folgendes: einzelne hölzerne Klassenräume ohne Strom, viele Bäume, Büsche und sonstige Pflanzen, keine gepflasterten Wege. Hinter der Schule schließt sich dann ein Pinienwald an.
Und ja ihr habt richtig gelesen, es gibt keinen Strom, aber zum Glück fließendes Wasser und einen Gaskocher, so dass ich jeden Morgen in den Genuss eines Kaffees komme (sehr wichtig!). :-)
Womit ich schon mal einen guten Übergang zu meinem Tagesablauf habe. Also wie gesagt mein Arbeitstag fängt meistens mit einem Kaffee und einem kurzen Wortwechsel mit verschiedenen Lehrern an, danach ging es in den ersten Wochen dieses Terms (Ein Term ist die Zeit zwischen den Ferien) immer in die 5.Klasse, mit denen ich deren Rhythmischen Teil (für nicht Waldorfler: In Waldorfschulen wird jeden Morgen, ein Morgenspruch gesprochen, manchmal ein paar Lieder gesungen oder aber ein Gedicht gelernt/aufgesagt, Sprachübungen gemacht oder ähnliches) gemacht habe. Ich habe aber nicht nur mitgemacht sondern auch den Morgenspruch mit denen auf Deutsch eingeübt. Danach habe ich mich dann um einige einzelne Kinder gekümmert und mit denen lesen, rechnen oder schreiben geübt. Die Voraussetzungen der Kinder sind innerhalb der einzelnen Klassen sehr unterschiedlich, daher bin ich eine große Hilfe in dem Bereich.
Sehr schnell ist es auch schon 10 Uhr und große Pause. Anschließend bin ich dann in verschiedenen Klassen (1. bis 6.) in deren Art und Craft Unterrichtsstunden und in der 3. und 4.Klasse in Mathe. Aber auch immer wieder Einzelförderung. Falls ihr Euch jetzt fragt, was ich genau bei der Einzelförderung mache, in Mathe z.B. muss ich mir selber Aufgaben ausdenken und die dann mit den Kids ausrechnen bzw. ihnen nochmal die Regeln erklären und dann die Ergebnisse korrigieren und immer wieder erklären warum eine Antwort falsch war.
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt ist die Einzelförderung (vor allem in Mathe) teilweise echt nicht einfach, aber auf der anderen Seite macht es Spaß, vor allem wenn ich sehe dass ich wirklich helfe und die Kinder Fortschritte machen.
In den letzten Wochen war ich dann morgens im Kindergarten, um dort aus zu helfen, was eine schöne Abwechslung in meinem Arbeitsleben mit sich bringt. Dort schaue ich dann auch eher nach den schwierigeren Kindern, mache mit den Kindern Crafts, schnippel Obst, mache Tee oder habe ein Auge auf diejenigen die draußen auf den Klettergerüsten spielen. Zwischen 10 und 11 Uhr bin ich dann immer zur die Schule gewechselt.
Wie ihr seht, bin ich zum Glück inzwischen meistens ganz gut beschäftigt und zunehmend mehr gefordert und wenn ich mal nichts zu tun habe, male ich Tafelbilder oder „Gemälde“ für die Klassenzimmer. Ich hoffe sehr, dass ich bald auch ab und zu in Masi (Township) arbeiten kann, um somit auch das Leben der Menschen dort und die arme Seite von Südafrika intensiver kennen lernen zu können.
Zur Zeit bringe ich aber schon zumindest Mittwoch nachmittags frisches Gemüse, welches Familien der Imhoff School jeden Dienstag mitbringen, nach Siyakuhle. Siyakuhle ist eine Waldorfkindergarten und Spielgruppe und in Masi und wurde u.a. von der Imhoff School initiiert und wird mit unterstützt. Mittwoch morgens kann ich kaum abwarten um die Kinder wieder zu sehen. Es ist jedes Mal ein sehr intensives Erlebnis, denn wenn mit Stacey, einer Lehrerin der Schule und Freundin, das Gelände betrete, kommen die Kinder immer alle an, haben ein breites Grinsen im Gesicht und wollen auf den Arm genommen werden. Manchmal habe ich zwei Kinder auf dem Arm und jeweils eins an jedem Bein hängen.
Nun, aber wieder zurück zur Imhoff School und deren Ziele. Die Imhoff School ist wie erwähnt eine Waldorfschule und einer der vier Waldorfschulen in Cape Town.
Die Schule hat sich zum Ziel erklärt die verschiedenen Kulturen der Farbigen, Weißen und Schwarzen miteinander zu verbinden, die Unterschiede anzuerkennen aber auch das Gemeinsame zu leben. Es ist erklärtes Ziel, es immer mehr Kindern aus den umliegenden Townships eine Besuch dieser Schule zu ermöglichen. Dies ist nur mit großem finanziellen Engagement und ehrenamtlichen Einsatz vieler Eltern und LehrerInnen möglich. Und die Schule ist noch weit entfernt von ihrem Ziel einer wirklich paritätisch gemischten Schule.zu sein. Aber die Schulgemeinschaft arbeitet dran.
Ein erster Schritt ist die Mitinitiierung und Unterstützung von Siyakuhle. Hier könnte langfristig eine guter Kontakt entstehen, auf dessen Grundlage noch mehr Townshipkinder Zugang zur Waldorfschule bekommen.
Die Initiative der Patenschaften ist ein weiterer Weg einzelne Kinder an der Schule aufzunehmen, deren Familien es sich sonst nicht leisten könnten, ihr Kind an dies Schule zu schicken. So haben einige Kinder fest Paten, die deren Schulgebühren übernehmen, jedoch werden noch viele weitere Paten gebraucht...
So, ich denke das war es erstmal so im Groben. Falls ihr noch Fragen zur Schule oder sonst etwas habt, könnt ihr die mir natürlich gerne stellen.













