Donnerstag, 18. März 2010

Mein Arbeitsplatz, meine Aufgabenbereiche, mein Stundenplan



Endlich, endlich komme ich mal dazu etwas genauer auf all dies einzugehen. Ich weiß, nachdem ich jetzt schon fast 6 Monate hier bin, ist es schon längst überfällig...

Ich will mal der Beschreibung des Schulgeländes und meinem ersten Eindruck anfangen. Um zur Schule zu gelangen musste ich erst einmal auf ein sehr altes, aber immer noch benutztes, Farmgelände. Dabei kam ich zunächst an ein paar Pferden und Ziegen vorbei. Wie sich sehr schnell zeigte, sind das nicht die einzigen Tiere die einem begegnen, auf dem Gelände sind u.a. auch mehrere Pfaue zu Hause.
Jedenfalls gelangte ich schließlich über einen Schotterweg zur Schule und sah dann Folgendes: einzelne hölzerne Klassenräume ohne Strom, viele Bäume, Büsche und sonstige Pflanzen, keine gepflasterten Wege. Hinter der Schule schließt sich dann ein Pinienwald an.







Und ja ihr habt richtig gelesen, es gibt keinen Strom, aber zum Glück fließendes Wasser und einen Gaskocher, so dass ich jeden Morgen in den Genuss eines Kaffees komme (sehr wichtig!). :-)
Womit ich schon mal einen guten Übergang zu meinem Tagesablauf habe. Also wie gesagt mein Arbeitstag fängt meistens mit einem Kaffee und einem kurzen Wortwechsel mit verschiedenen Lehrern an, danach ging es in den ersten Wochen dieses Terms (Ein Term ist die Zeit zwischen den Ferien) immer in die 5.Klasse, mit denen ich deren Rhythmischen Teil (für nicht Waldorfler: In Waldorfschulen wird jeden Morgen, ein Morgenspruch gesprochen, manchmal ein paar Lieder gesungen oder aber ein Gedicht gelernt/aufgesagt, Sprachübungen gemacht oder ähnliches) gemacht habe. Ich habe aber nicht nur mitgemacht sondern auch den Morgenspruch mit denen auf Deutsch eingeübt. Danach habe ich mich dann um einige einzelne Kinder gekümmert und mit denen lesen, rechnen oder schreiben geübt. Die Voraussetzungen der Kinder sind innerhalb der einzelnen Klassen sehr unterschiedlich, daher bin ich eine große Hilfe in dem Bereich.



Sehr schnell ist es auch schon 10 Uhr und große Pause. Anschließend bin ich dann in verschiedenen Klassen (1. bis 6.) in deren Art und Craft Unterrichtsstunden und in der 3. und 4.Klasse in Mathe. Aber auch immer wieder Einzelförderung. Falls ihr Euch jetzt fragt, was ich genau bei der Einzelförderung mache, in Mathe z.B. muss ich mir selber Aufgaben ausdenken und die dann mit den Kids ausrechnen bzw. ihnen nochmal die Regeln erklären und dann die Ergebnisse korrigieren und immer wieder erklären warum eine Antwort falsch war.
Wie ihr euch sicher vorstellen könnt ist die Einzelförderung (vor allem in Mathe) teilweise echt nicht einfach, aber auf der anderen Seite macht es Spaß, vor allem wenn ich sehe dass ich wirklich helfe und die Kinder Fortschritte machen.


In den letzten Wochen war ich dann morgens im Kindergarten, um dort aus zu helfen, was eine schöne Abwechslung in meinem Arbeitsleben mit sich bringt. Dort schaue ich dann auch eher nach den schwierigeren Kindern, mache mit den Kindern Crafts, schnippel Obst, mache Tee oder habe ein Auge auf diejenigen die draußen auf den Klettergerüsten spielen. Zwischen 10 und 11 Uhr bin ich dann immer zur die Schule gewechselt.



Wie ihr seht, bin ich zum Glück inzwischen meistens ganz gut beschäftigt und zunehmend mehr gefordert und wenn ich mal nichts zu tun habe, male ich Tafelbilder oder „Gemälde“ für die Klassenzimmer. Ich hoffe sehr, dass ich bald auch ab und zu in Masi (Township) arbeiten kann, um somit auch das Leben der Menschen dort und die arme Seite von Südafrika intensiver kennen lernen zu können.
Zur Zeit bringe ich aber schon zumindest Mittwoch nachmittags frisches Gemüse, welches Familien der Imhoff School jeden Dienstag mitbringen, nach Siyakuhle. Siyakuhle ist eine Waldorfkindergarten und Spielgruppe und in Masi und wurde u.a. von der Imhoff School initiiert und wird mit unterstützt. Mittwoch morgens kann ich kaum abwarten um die Kinder wieder zu sehen. Es ist jedes Mal ein sehr intensives Erlebnis, denn wenn mit Stacey, einer Lehrerin der Schule und Freundin, das Gelände betrete, kommen die Kinder immer alle an, haben ein breites Grinsen im Gesicht und wollen auf den Arm genommen werden. Manchmal habe ich zwei Kinder auf dem Arm und jeweils eins an jedem Bein hängen.

Nun, aber wieder zurück zur Imhoff School und deren Ziele. Die Imhoff School ist wie erwähnt eine Waldorfschule und einer der vier Waldorfschulen in Cape Town.
Die Schule hat sich zum Ziel erklärt die verschiedenen Kulturen der Farbigen, Weißen und Schwarzen miteinander zu verbinden, die Unterschiede anzuerkennen aber auch das Gemeinsame zu leben. Es ist erklärtes Ziel, es immer mehr Kindern aus den umliegenden Townships eine Besuch dieser Schule zu ermöglichen. Dies ist nur mit großem finanziellen Engagement und ehrenamtlichen Einsatz vieler Eltern und LehrerInnen möglich. Und die Schule ist noch weit entfernt von ihrem Ziel einer wirklich paritätisch gemischten Schule.zu sein. Aber die Schulgemeinschaft arbeitet dran.
Ein erster Schritt ist die Mitinitiierung und Unterstützung von Siyakuhle. Hier könnte langfristig eine guter Kontakt entstehen, auf dessen Grundlage noch mehr Townshipkinder Zugang zur Waldorfschule bekommen.
Die Initiative der Patenschaften ist ein weiterer Weg einzelne Kinder an der Schule aufzunehmen, deren Familien es sich sonst nicht leisten könnten, ihr Kind an dies Schule zu schicken. So haben einige Kinder fest Paten, die deren Schulgebühren übernehmen, jedoch werden noch viele weitere Paten gebraucht...

So, ich denke das war es erstmal so im Groben. Falls ihr noch Fragen zur Schule oder sonst etwas habt, könnt ihr die mir natürlich gerne stellen.

Ja, ihr lest richtig, es gibt wieder einen Eintrag von mir




Ich weiß ist schon ein Weilchen her, dass ich was geschrieben habe. Aber meine Leben war etwas chaotisch in letzter Zeit und es ist ziemlich viel passiert. Weshalb ich auch gar nicht genau weiß wo ich anfangen soll zu erzählen.
Über meine Arbeit schreibe ich jedenfalls im nächsten Eintrag, jetzt werde ich erstmal von meinem Leben außerhalb der Schule erzählen.
Wie schon oben erwähnt ist ziemlich viel passiert und ich habe emotional viel durchgemacht. Nach meinen Road Trip habe ich langsam angefangen Heimweh zu bekommen, ich kannte immer noch nicht viele Leute, hatte immer noch keinen Transport (sprich Auto oder Roller) und es gab immer öfters Schwierigkeiten zwischen meinem Mitbewohner und mir. Das alles hat dazu geführt, dass ich einfach nur noch bei meiner Familie und meinen Freunden sein wollte und immer wieder krank wurde.
Glücklicherweise habe ich dann in letzter Zeit immer mehr Leute kennen gelernt und inzwischen einige gute Freunde gefunden, dadurch habe ich natürlich viel mehr unternommen und steckte nicht mehr so viel zu Hause fest. Zudem rückte das Datum, wo meine Familie mich besuchen kommt immer näher (jetzt sind es nur noch 3 Tage :-) ).

Freizeit
Dies führte dazu, dass es mir auch langsam wieder besser ging, auch wenn meine Wohnsituation immer noch nicht einfach war, weswegen ich an den Wochenenden so gut wie die ganze Zeit weg war. Falls ihr Euch fragt was ich so alles unternommen habe, dann kann ich euch hier mal ein paar Beispiele aufzählen:

- ich bin den    Lions Head hochgewandert (atemberaubende Aussicht auf den Tafelberg, Robben Island, Sea Point und Cape Town)


- war am Llandudno Beach (einer der schönsten Strände Cape Towns)


- camping in den Cederbergen (wunderschöne Gegend. leider konnte kein Foto die Stimmung aufnehmen)


- auf dem RAMFEST (ein Musik Festival mit südafrikanischer alternativer (rock/metal/punk/etc) Musik)


- meiner ersten Tranceparty


- habe mir den Botanical Garden angeschaut


- mehrmals im Kino (u.a. in Invictus, sehr empfehlenswerter Film und wohl auch sehr authentisch)

- habe viel im Auto gesessen

- habe eine private Township Tour mit Alicia (einer Freundin von mir) gemacht. Von der ich nun kurz berichten will.


Nachmittag im Township
Alicia hat eine Bekannte, die im Township lebt und die hatte ihr angeboten für uns typisches Township essen zu kochen und uns dann etwas herum zu führen. Sie war jedoch nicht alleine, sondern hatte noch 3 Freundinnen dabei.
Zu Essen gab es Pap (Maisbrei) mit drei verschiedenen Fleischsorten, die sehr lecker gewürzt waren. Anschließend sind wir dann durch Masi gelaufen und haben uns ein wenig umgeschaut und ein Township-Pub aufgesucht. Was alles sehr interessant, spannend und irgendwie auch komisch war. Ich hatte jetzt kein Angst oder so, aber es ist schon ein komisches Gefühl wenn jeder einen anschaut (wir waren 2 Weiße, 2 Farbige und 2 Schwarze) und man weiß das viele Leute die man sieht sich gerade über Wasser halten können und man selber ein tolles Leben hat.


Wohnsituation, Besuch meiner Familie
Nun aber zurück zu meiner Wohnsituation, die hat sich nämlich letzte Woche erst einmal geändert, ich wohne nämlich nicht mehr in Fish Hoek. Ihr wollt sicher wissen warum ich ausgezogen bin, dazu sage ich nur soviel mein Mitbewohner und ich sind einfach zu verschieden und Menschen lassen sich nun mal nicht ändern, und jemanden zusammen zu leben ist eh nie einfach.
Seit letztem Donnerstag wohne ich jetzt bei Stacey und ihrem Freund auf der Couch in Glencairn, einer der Nachbarorte von Fish Hoek, und das solange bis ich eine andere Unterkunft gefunden habe. Und es sieht auch gar nicht so schlecht aus, dass dies bald passieren könnte. Aber am Sonntag kommt eh erstmal meine Familie für drei Wochen und in dieser Zeit werde ich mit denen zusammen wohnen. Ahh, ich kann es immer noch nicht ganz glauben, dass ich meine Eltern und meinen Bruder endlich alle wieder sehen kann, werde jedes Mal total aufgeregt und nervös wenn ich daran denke.
Und mit diesen schönen Aussichten endet dann auch mein Eintrag.